Drucken

Der Artikel einer Stern- Journalistin über ihre Erfahrungen mit Rainer Brüderle an einer Hotel- Bar vor einem Jahr hat eine Debatte über den alltäglichen Sexismus in Deutschland ausgelöst. Die vielen Berichte und Kommentare im Kurznachrichtendienst Twitter und in anderen Medien zeigen, dass diese Debatte eine längst überfällige ist.
„Es ist ein Irrtum zu glauben, wir hätten den Sexismus im Jahr 2013 längst überwunden. Sexistisches Verhalten ist auch heute noch gesellschaftlich weit verbreitet und wird oft erschreckend verharmlost", so Theresa Jakuszeit, Koordinatorin des Landesarbeitskreises Gleichstellung und Zukunft der Jusos Sachsen- Anhalt. theresajakuszeit„Wir brauchen in Bezug auf Sexismus ein grundsätzliches Umdenken. Es darf nicht mehr selbstverständlich sein, dass eine Frau durch Worte oder Taten herabgewürdigt wird und sich dann noch Vorwürfen wegen ihrer Kleidung oder wegen eines Barbesuchs um Mitternacht aussetzen muss. Doch solange dies so ist, wird die Diskriminierung von Frauen immer wieder durch die Jusos kritisiert werden." Sexismus ist keine Kleinigkeit, sondern ein Ausdruck männlich geprägter Machverhältnisse. Die Debatte im Kurznachrichtendienst Twitter muss auch politische Konsequenzen nach sich ziehen. Die Jusos- Sachsen- Anhalt fordern die Twitter- Debatte als Anstoß für eine ernsthafte Diskussion über sexistisches Verhalten in der Gesellschaft zu nutzen. „Nur so können wir eine Veränderung der Gesellschaft erreichen, um die Diskriminierung auf Grund des Geschlechts zu überwinden.", so Theresa Jakuszeit ergänzend.

Die Reaktionen der FDP auf den Artikel über Rainer Brüderle zeigen, dass hier das Problem nicht erkannt wurde. Die Splitterpartei ergeht sich in launigen Versuchen, nicht nur den exzessiven Alkoholkonsum ihres Spitzenkandidaten, sondern auch dessen Folgen zu einem Kavaliersdelikt zu verharmlosen. Die Ankündigung des schleswig- holsteinischen FDP- Fraktionsvorsitzenden, Wolfgang Kubicki, keine Frauen mehr in seinem Wahlkampteam aufzunehmen, verschärft das Problem noch. Es trifft wieder einmal die Frauen.