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Magdeburg wird „das neue Dresden", so oder so ähnlich waren die Äußerungen vieler Beobachter der rechten Szene in den letzten Monaten. Diese Bezeichnung in Anspielung auf die jahrelang mehr oder weniger erfolgreichen Aufmärsche der Rechten, die sich zwischenzeitig zum größten Naziaufmarsch Europas entwickelt hatten, erwies sich heute als falsch. Gerade einmal 800 Teilnehmer zählte der Aufmarsch der rechtsextremen „Initiative gegen das Vergessen", welche seit Jahren versuchen die Bombardierung Magdeburgs am 16. Januar 1945 für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Im letzten Jahr waren noch 1200 Nazis diesem Aufruf gefolgt und 2011 waren es 1000. ostelbien2013Viele Organisationen und Bündnisse haben daher auch dieses Jahr zu vielfältigen und friedlichen Aktionen aufgerufen um die Stadt zu besetzen und deutlich zu machen: Magdeburg ist kein Ort für Neonazis! Durch die „Meile der Demokratie", auf der zahlreiche Organisationen, Vereine und Verbände aus Sport, Kirche, Politik und Kultur sowie Schulen, wurde die Innenstadt für mögliche Nazi-Routen gesperrt. In anderen Teilen Magdeburgs wurden ebenfalls mehrere Aktionen angemeldet.

In den letzten Tagen verdichteten sich die Informationen, dass die Nazis in den Stadtteilen östlich der Elbe marschieren würden. Dieses Gerücht ging mit dem Versuch einher der Polizei sämtliche angemeldeten Mahnwachen und Infostände in diesem Gebiet zu verbieten oder nach Westen zu verlegen – dank gerichtlicher Entscheidungen ohne Erfolg. Die Elbe als natürliche Grenze zwischen den Nazis und den Protestanten zu nutzen ist nicht neu. Bereits in Dresden wurde das Konzept 2010 und 2011 angewandt. Aber durch erfolgreiche Blockaden in „Ostelbien" musste der geplante Aufmarsch in den weit entfernten Südosten Magdeburgs verlegt werden. Dieses dünnbesiedelte Gebiet welches nach Ansicht der Nazis „oftmals den Eindruck der frühen Nachkriegszeit macht" ist geprägt durch Wohnungsleerstand und Industrieanlagen. Entsprechend wenig Personen nahmen überhaupt Kenntnis von dem rechten Aufmarsch.

Trotz der Distanz der Rechtsextremen zu den Nazi-Gegnern ist es unverständlich, dass die Polizei aggressiv gegen friedliche Gegendemonstranten in der Innenstadt vorging. „Dieses Verhalten ist ein weiterer Beweis für die Notwendigkeit von Polizeiidentifikationsnummern in geschlossenen Einsätzen", urteilt Martin Kröber, Koordinator des Juso-Landesarbeitskreises gegen Rechtsextremismus. Es ist eine Forderung, die maßgeblich auf Initiative der Jusos innerhalb der SPD durchgesetzt wurde.

"Wir nehmen aber auch positiv zur Kenntnis, dass am Infostand der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) auf der 'Meile der Demokratie' unsere Forderungen nach Polizeikennzeichnungen unterstützt wurden. Es liegt aber dennoch an Mitgliedern des Landtages, diese Forderungen umzusetzen", so Kröber abschließend.